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Praxisbeispiel
Jobcoaching für einen landwirtschaftlichen Helfer während der Corona-Pandemie

Wo lag die Herausforderung?

Der landwirtschaftliche Helfer hat eine Lernbeeinträchtigung, durch die er Schwierigkeiten beim Rechnen, Lernen und Verstehen sowie Merken von komplexeren Inhalten sowie Abläufen hat. Nach einem längeren Ausfall durch einen Knochenbruch versuchte er wieder in den beruflichen Alltag zurückzufinden – was aufgrund der coronabedingten Vorschriften für Unternehmen für ihn nicht so einfach war, da er die Situation nicht richtig verstehen und einschätzen konnte.

Was wurde gemacht?

Mit Hilfe eines Jobcoachings wurde er wieder in seine alte Tätigkeit eingearbeitet, wobei für ihn noch neue Aufgaben unter Nutzung des Traktors hinzukamen. In Bezug auf Corona und die einzuhaltenden Vorschriften konnte der Jobcoach das Verständnis und die Regeln durch spezielle Lernmethoden vermitteln. Auch beim Lernen für den Traktorführerschein half der Jobcoach, so dass der landwirtschaftliche Helfer die Prüfung bestand und nun auch die mit dem Traktor auszuführenden Arbeiten übernehmen kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Der Übergang in den Beruf als landwirtschaftlicher Helfer wurde durch das Budget für Arbeit gefördert, da für den jungen Mann sonst nur eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Frage gekommen wäre. Im Rahmen des Budgets für Arbeit wurden auch Maßnahmen, wie die Unterstütze Beschäftigung und das Jobcoaching durch ein dienstleistendes Unternehmen, gefördert. Das dienstleistende Unternehmen wurde dazu vom Integrationsfachdienst mit einbezogen. Der landwirtschaftliche Betrieb erhält über das Budget für Arbeit auch einen Lohnkostenzuschuss. Gefördert wird das Budget für Arbeit allgemein über den Träger der Eingliederungshilfe im jeweiligen Bundesland.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsfachdienste.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb, der Ackerbau und Viehwirtschaft betreibt. Im Unternehmen arbeitet seit einigen Jahren ein Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Lernbeeinträchtigung, die zu Einschränkungen beim Rechnen, Lernen und Verstehen sowie Merken von komplexeren Inhalten sowie Abläufen führt. In Bezug auf den Corona-Virus fiel es ihm deshalb in der Pandemie schwer zu verstehen, welche Gefahr vom Corona-Virus ausgeht und warum er sich plötzlich im Berufs- und Privatleben anders verhalten musste.

Kommentar des Mitarbeiters:

"Es war schwierig für mich, weil es immer wieder neue Regeln gab. Ich habe nicht alle verstanden. Teilweise konnte ich sie auch nicht umsetzen, weil ich nicht rechnen kann – wie lang sind denn eineinhalb Meter Abstand?"

Übergang Schule – Beruf:

Der junge Mann besuchte eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Im Anschluss an die Schulzeit wurde der junge Mann vom Integrationsfachdienst (IFD) mit Hilfe der Unterstützten Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bzw. beim landwirtschaftlichen Familienbetrieb platziert und anschließend dort für den Beruf des landwirtschaftlichen Helfers qualifiziert sowie eingearbeitet.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet als angelernter landwirtschaftlicher Helfer beim Familienbetrieb.

Jobcoaching:

Der landwirtschaftliche Helfer erlitt einen komplizierten Knochenbruch und fiel deshalb längere Zeit an seinem Arbeitsplatz aus. Um wieder in den beruflichen Alltag nach der längeren Erkrankung zurückzufinden, benötigte er Unterstützung. Er bemühte sich aus diesem Grund um ein Jobcoaching, das ihm dabei helfen sollte, seine bisherigen Aufgaben wieder selbstständig ausführen zu können. Außerdem plante der Juniorchef des landwirtschaftlichen Betriebs die Aufgaben für ihn zu erweitern, um so den älteren Seniorchef zu entlasten. So sollte er beispielsweise zusätzlich die Arbeiten mit dem Traktor übernehmen.
Zu Beginn der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden ersten Lockdown sorgten die neuen Infektions- sowie Hygienevorschriften und die Angst vor der Ansteckung für große Veränderungen im Betrieb. Der landwirtschaftliche Helfer musste lernen die dadurch veränderten Arbeitsbedingungen einzuhalten. Deshalb wurde auch das bereits begonnene Jobcoaching zur Berücksichtigung und Vermittlung der neuen Arbeitsbedingungen entsprechend angepasst. Der Jobcoach verfügte dazu über das nötige Vorwissen und Lernwege dem landwirtschaftlichen Helfer die Wirkprinzipien des Virus verständlich zu vermitteln, Infektionsschutzmaßnahmen zu erklären und diese anschließend mit ihm einzuüben.
Von der Pandemie war ebenfalls die Ausbildung zum Traktorführerschein betroffen. So musste der landwirtschaftliche Helfer deshalb den Fahrlehrer wechseln, denn der ihm vertraute Fahrlehrer konnte die Ausbildung bedingt durch Corona nicht mehr fortführen. Auch hier wurde der landwirtschaftliche Helfer im Rahmen des Jobcoachings von seinem Jobcoach unterstützt. Er lernte mit dem landwirtschaftlichen Helfer für die theoretische Prüfung, übte das praktische Fahren mit dem Traktor und führte Aufklärungsgespräche über die Situation des landwirtschaftlichen Helfers mit dem neuen Fahrlehrer. Letztendlich konnte der landwirtschaftliche Helfer durch die Unterstützung seine Führerscheinprüfung erfolgreich ablegen und die erweiterten Aufgaben mit dem Traktor übernehmen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann übernimmt im Betrieb verschiedene Aufgaben, welche auf dem Hof anfallen und in die er bereits im Rahmen der Unterstützen Beschäftigung nach dem Verlassen der Förderschule eingearbeitet wurde. Darunter fallen unter anderem das Abwiegen der Kartoffel, das Füttern der Tiere und die Übernahme von Erntearbeiten. Durch den Erwerb des Traktorführerscheins ist er außerdem in der Lage, Aufgaben zu übernehmen, welche nur mit einem Traktor ausführbar sind.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Rechnen
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Rechnen

Referenznummer:

PB/111189


Informationsstand: 15.12.2022