Inhalt

Gutachten und Fahrprobe

Um die Fahrtauglichkeit nachzuweisen, kann die zuständige Führerscheinstelle medizinische und technische Gutachten von Personen verlangen, die den Führerschein erwerben oder bei einer neu erworbenen Behinderung umschreiben möchten. Häufig sind auch Fahreignungsproben erforderlich, um die Fahrtauglichkeit und Verkehrssicherheit nachzuweisen.


Arten von Gutachten

Verschiedene (Fach-)Ärzte und (Fach-)Ärztinnen oder Begutachtungsstellen können medizinische Gutachten erstellen, nicht aber die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen. Die Fahrerlaubnisbehörde bestimmt, von welchen nachfolgenden Ärzten oder Ärztinnen ein Gutachten erbracht werden muss:

  • Fachärzte/-ärztinnen mit verkehrsmedizinischer Qualifikation
  • Ärzte/Ärztinnen des Gesundheitsamts
  • Betriebsärzte/-ärztinnen beziehungsweise Arbeitsmediziner/innen
  • Fachärzte/-ärztinnen für Rechtsmedizin
  • Ärzte/Ärztinnen von Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF)

Das amts- oder fachärztliche Gutachten prüft unter anderem:

  • Gibt es medizinische Bedenken hinsichtlich der körperlichen, psychischen oder geistigen Einschränkungen?
  • Wie ist der Krankheitsverlauf und -fortschritt?
  • Werden Medikamente eingenommen, die die Verkehrstauglichkeit beeinträchtigen?

Hinweise:

  • Gemäß § 11 Absatz 6 FeV haben Sie stets das Recht, ein fachärztliches Gutachten für den Führerschein beziehungsweise die Fahrerlaubnis einzusehen.
  • Das medizinische Gutachten ist auch bei der Anschaffung eines Fahrzeugs wichtig, denn danach richtet sich die Höhe der finanziellen Zuschüsse.

In manchen Fällen wird auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) verlangt, die vor allem psychische und neurologische Einschränkungen prüft. Dies ist häufig bei Hirnverletzungen (wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma), progressiven Krankheitsbildern (wie Multiple Sklerose) oder spastisch-auftretenden Lähmungen der Fall. Die MPU kann man wiederholen, wenn sich die persönlichen Umstände wieder verändert haben.

Eine amtlich anerkannte Begutachterstelle für Fahreignung prüft unter anderem:

  • Wahrnehmungs- und Orientierungsvermögen
  • Reaktions- und Konzentrationsvermögen
  • Emotions- beziehungsweise Aggressionskontrolle

Sind Fahrzeuganpassungen aufgrund einer Behinderung nötig, stellen amtlich anerkannte Sachverständige (aaS) für den Straßenverkehr (TÜV oder DEKRA) technische Gutachten aus. Mit praktischen Fahrsimulationen ermitteln die Experten und Expertinnen, welches Fahrzeug infrage kommt und welche technischen Änderungen notwendig sind. Aus dem technischen Gutachten ergibt sich eine Schlüsselzahl (siehe § 25 Absatz 9 FeV). Diese Schlüsselzahl wird später in den Führerschein eingetragen und gibt vor, wie das Fahrzeug umgerüstet werden muss.

Neben den europaweit einheitlichen, zweistelligen Codeziffern gibt es dreistellige Ziffern für nationale Sonderbestimmungen, die nur innerhalb des jeweiligen Landes gelten.

Fahrproben

Wenn grundsätzliche Zweifel an der Fahrfähigkeit bestehen, sind als Ergänzung zu den Gutachten auch Fahreignungsproben vorgeschrieben. Die Fahrproben sind auf die jeweilige Art der Behinderung zugeschnitten. Sie werden nicht bei der Fahrschule, sondern bei amtlich anerkannten Sachverständigen, die bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) akkreditiert sind, durchgeführt. Dabei wird geprüft, ob das Fahrzeug fahren mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung überhaupt möglich ist oder welche technischen Umrüstungen notwendig sind. Fahrproben im Zusammenhang mit technischen Gutachen können zum Beispiel für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder Muskelkraft nötig sein. Die Fahrprobe erfolgt in einem umgerüsteten Fahrzeug, das den Vorgaben des technischen Gutachtens entspricht.

Bei Führerscheinanwärtern und -anwärterinnen findet die Fahrprobe vor der praktischen Fahrprüfung statt. Eine nicht bestandene Führerscheinprüfung kann man wiederholen. Eine nicht bestandene Fahrprobe dagegen bedeutet, dass man zum Autofahren nicht geeignet ist.

Sachverständige können eine Fahrverhaltensbeobachtung fordern, wenn Personen bei den Reaktions- und Leistungstests der MPU unter dem für ihre Führerscheinklasse geforderten Prozentrang bleiben. Diese Fahrt ist mit zusätzlichen Kosten verbunden und wird mit einer beauftragten Fahrschule und der begutachtenden Person durchgeführt.

Hinweise zum Ablauf

Die Antragsteller und Antragstellerinnen geben die Gutachten in Auftrag. Bei Führerscheinanwärtern und -anwärterinnen übernimmt meist die Fahrschule die Antragstellung und unterstützt bei der Einholung von Gutachten. Die Antragsteller und Antragstellerinnen entscheiden auch, wer das Gutachten ausgehändigt bekommt. Ist das Gutachten nicht zufriedenstellend, können sie ein weiteres in Auftrag geben. Erst wenn die Antragsteller und Antragstellerinnen das Gutachten genehmigen, dürfen die begutachtenden Sachverständigen die Ergebnisse weiterleiten. Die Gutachter und Gutachterinnen unterliegen alle der Schweigepflicht.

Üblicherweise tragen die Antragsteller und Antragstellerinnen die Kosten für die Gutachten. Die Kosten können aber auch abhängig vom Einkommen teilweise oder vollständig übernommen werden, sofern die Voraussetzungen für die Leistungen nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (§ 3 KfzHV) erfüllt sind.

Hinweise:

  • Die Anträge auf Kostenübernahme für Gutachten müssen vor der Auftragsvergabe gestellt werden.
  • Da die Gutachten mitunter viel Zeit kosten, sollte man möglichst früh mit der Beantragung beginnen.
  • Testergebnisse und Befunde sind häufig zeitlich begrenzt gültig. Daher können negative Tests nach einem angemessenen Zeitraum wiederholt werden.
  • Die Kosten werden nur für positive Gutachten übernommen.

Rechtsgrundlagen und Leitlinien

Weitere Informationen